Frieden

„Willst du Äußeren Frieden, musst zu zuerst Inneren Frieden erreichen.“ Was bedeutet dieser Satz?

Oft gehen Dinge schief in unserem Leben oder laufen zumindest nicht genauso ab wie wir uns das erhofft und gewünscht haben. Wenn solch eine Situation eintritt überprüfen wir unsere Handlungen und die der beteiligten Personen. Oft finden wir dann einen Schuldigen und können weitermachen bis eine ähnliche Situation einige Wochen oder Monate später erneut auftritt.

Doch wieso sind immer Handlungen oder Worte der alleinige ausschlaggebende Faktor für einen Misserfolg, für einen Streit oder eine Trennung? Kann es nicht sein, dass die Ursache manchmal noch tiefer verborgen ist und wir mit unseren Überlegungen über die möglichen Ursachen oft nur an der Oberfläche kratzen?

Unser Unterbewusstsein hat eine Kraft die uns wahrscheinlich nicht mal ansatzweise bekannt ist. Es ist der Speicher unserer Erlebnisse, sowohl negativer als auch positiver. Es bestimmt oft unser Verhalten gegenüber unseren Mitmenschen. Unsere Wunden, die wir alle irgendwann einmal erlebt haben, sind dort gespeichert und auch unsere Seele erinnert sich an diese Wunden als ob sie erst Gestern geschehen wären. Viele davon sind zwar über die Zeit vernarbt, aber nicht geheilt. Eine Narbe auf der Haut ist ein bleibendes Merkmal für eine Verletzungen. So ist es auch bei der Seele, welche für unser Wohlergehen äußerst wichtig ist.

Unsere seelischen Narben können Verunsicherung, Hass, Wut oder negative Charaktereigenschaften verursachen die wir zuerst selbst und dann auch unsere Mitmenschen an uns ablehnen. Wir stehen dadurch in einem ständigen Konflikt mit uns selbst und kann es dann nicht sein, dass ein innerer Konflikt der nicht gelöst wird sich nach Außen auf unser Umfeld überträgt um dort sichtbar zu werden? Kann dies nicht der Antrieb für unsere Verhaltensweisen sein die zu Streits führen? Wenn dem so ist haben wir es verpasst von klein auf zu erlernen, dass Streit und Wut hilfreich sein können um mit einem Teil in uns Kontakt aufzunehmen von dem wir zwar wissen dass er existiert ihn aber nicht verstehen, da seine Sprache nicht Worte sind. Uns wurde stattdessen beigebracht bei einem Streit einen Schuldigen auszumachen um mit dem Erlebten abzuschließen.

Leider reden wir uns aber häufig ein: „Sobald ich an eine bestimmte Sache nicht mehr denke verschwindet sie auch“. Doch wohin?

Wenn wir z.b. durch eine Trennung verletzt werden und uns den Schmerz nicht eingestehen, sondern ihn „wegschieben“, indem wir uns rund um die Uhr ablenken, dann verschwindet diese Verletzung nicht, sondern sie wandert in unser Unterbewusstsein und wir werden Probleme bei weiteren Beziehungen haben, da wir die Wunde nicht heilen ließen.

Wenn ein Knochen bricht lassen wir ihm Zeit zum heilen, bei einer Schnittverletzung auch, aber bei seelischen Wunden tun wir dies selten. Jeder Knochenbruch oder jede äußere Verletzung schmerzt und wir wünschen uns in diesen Momenten, dass der Schmerz verschwindet. Doch diese Gabe besitzen wir nicht. Wieso glauben wir dann, dass wir bei inneren Wunden diese Gabe besäßen?

Verdrängen und „Wegdenken“ wurde uns beigebracht, doch es sind keine Wunderwerkzeuge die Wunden heilen lassen. Wenn ich mich am Finger verletze und ihn danach direkt wieder so einsetze als ob nichts geschehen wäre hat dies noch größere Schmerzen als Folge.

Also: Wieso sollte das bei seelischen Wunden anders sein? Wir belügen uns nur selbst und werden in Zukunft immer wieder Konflikte erzeugen, ohne uns dessen bewusst zu sein. Wir werden immer wieder mit unseren Eltern, Partnern oder Freunden aneinandergeraten und uns schließlich irgendwann von ihnen trennen oder sie verlassen uns.

Einem äußeren Konflikt liegt in den meisten Fällen ein innerer zu Grunde. Somit birgt jeder äußere Konflikt die Chance in sich, sich selbst besser kennenzulernen und seine Verletzungen aus der Vergangenheit zu heilen. Dies bringt Zufriedenheit.

Meinungsverschiedenheiten gehören zum Leben, doch wenn ich auf mein Leben zurückschaue und erkennen muss, dass ich Partner und Freundeskreise oft wechsle dann ist dies eigentlich ein lauter Hilfeschrei des eigenen Innern. Natürlich wird mir mein Kopf, meine Gedanken, bei jedem Streit einen Schuldigen zuspielen. Natürlich werde ich immer einen „äußeren“ Grund finden. Diese Prozedur habe ich auch jahrelang trainiert und kultiviert. Doch nur weil ich es schon mein ganzes Leben so handhabe, bedeutet nicht, dass dies richtig ist. Solange ich einen inneren Konflikt mit mir herumtrage werde ich immer wieder aus den verschiedensten äußeren Gründen mit meinen Mitmenschen aneinandergeraten und dies wird sich auch nicht ändern, solange wir nicht anfangen an uns selbst zu arbeiten. Doch oft fehlt uns dazu der Mut, da wir uns einerseits Verletzungen eingestehen müssen und andererseits eine alte Praxis ablegen müssen um eine andere neu zu erlernen. Doch dies ist der einzige Weg zur echten Veränderung.

Wir können natürlich immer wieder Menschen verlassen und neue suchen, das ist heute einfacher als jemals zuvor, doch ist das wirkliche Veränderung oder eher vielmehr eine Art Tausch?

Fazit: Wenn ich mich meinen Inneren Konflikten stelle, anfange meine Erlebnisse zu verarbeiten, erzeuge ich Inneren Frieden und daraus resultiert automatisch Äußerer Frieden.

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